Durch die Fenster, gegen die Wand und auf den Boden

„Es begann an einem Sonntag..“

Die Tour startete zur gemütlichen Mittagszeit und führte mich und zwei Freunde zu einer ehemaligen Kaserne. Während andere Leute neben dem Kasernengebiet gemütlich spazieren gingen, suchten wir nach einem möglichen Eingangspunkt im Zaun. Nachdem wir eine Lücke entdeckten, hieß es nur noch den perfekten Moment abwarten, um uns nicht gerade im Blickfeld der Spaziergänger durch den Zaun zu quetschen. Nur noch hurtig über eine Wiese und schon standen wir vor dem ersten Gebäude. Das Haus sollte fast schon sinnbildlich dafür stehen, was uns bei der Tour erwarten würde: Verschlossene Türen, vernagelt mit Brettern. Das zweite Gebäude sah auf den ersten Blick nicht besser aus, jedoch fand sich ein offenes Fenster, zu dem man sich dank der hervorragenden Fitnesszustands der Teilnehmer hochziehen konnte. Im Haus selber fand man noch ausreichend Fotomaterial: besonders fotogen war ein Raum, in dem sich der ehemalige Teppich fließend in eine braune, bröckelige Masse veränderte. Der Duft im Raum trug dem Verfall auch durchaus Rechnung, und auch sonst konnte man an den Wänden Salpeter-Kulturen bewundern.

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Das Gelände der Kasernen war zumeist jedoch von Brettern gekennzeichnet, die die Fenster verschraubten, um absolut sicher zu gehen. Das nächste Gebäude, in dem sich die damalige Küche und Kantine befanden, war auch unzugänglich..so schien es zumindest auf den ersten Blick. Dann fand sich ein zweiteiliges Kippfenster, bei dem der untere, schmale Teil zerschlagen war. Durch geschicktes Umgreifen konnte das obere Kippfenster geöffnet werden und ich habe mich mehr oder minder elegant reinschwingen können. Anschließend galt es nur noch, ein Fenster für die Foto-Freunde zu finden, was sich auch bald finden ließ. Dieses Gebäude enthielt noch etliche Groß-Küchen-Elemente und das eine oder andere Detailfoto. Hier zeigten sich auch die Freunde bald begeistert von den Möglichkeiten des Kletterns: Im ehemaligen Essenssaal waren die Tische zu einer Pyramide aufeinander gestapelt gewesen, die auch todesmutig erklommen wurde.

„Außer Käse nichts gewesen“
Anschließend besuchten wir das Offiziersheim..auch hier gab es keine Möglichkeit, reinzukommen. Von daher konnten wir nur Blicke durch die großen Panorama-Fenster werfen, die mit Blick auf eine stattliche Möblierung aufwarteten. Der nächste Trakt war der ehemalige Gärtnerbereich. Auch hier klappt der „Fenster-Kaputt? Durchgreifen-und-von-innen-aufmachen“ (kurz: (FK-DUVIA)-Trick perfekt. Im Inneren fanden wir neben einem Kühlschrank, (der nach dem Aufmachen einen unschönen Verwesungsgeruch verbreitete. Sehr sehr wahrscheinlich kam selbiger vom „Käse“ der im Kühlschrank in Frieden ruhte.) auch einen Schlüsselkasten sowie Zeitungen vom Februar 2013 (zu dem Zeitpunkt war der HSV 6.ter in der Liga!). Fotografisch hatte das Haus aber leider überhaupt nichts zu bieten..

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Da die Zeit schon etwas fortgeschritten war, widmeten wir uns nun dem Unteroffiziersheim. Wir überquerten ein Fußballfeld, dass von Maulwürfshügeln übersät war und standen dann vor einem, wie konnte es anders sein, verbarrikadierten Gebäude. Das Dach sah auch nicht mehr ganz so stabil aus, was daran lag, dass es vor wenigen Monaten in Flammen stand, was der Infrastruktur wohl etwas geschadet hatte.

„Angriff der Killermauer“
Dennoch war auch hier der FK-DUVIA-Trick erfolgreich und so ergaben sich noch einige interessante Motive. Der Höhepunkt war dann, als ich von einer Hauswand angefallen wurde. Ich wollte mich in den zweiten Stock begeben und stieg über Schutt die Treppe hoch. Als ich mich dann kurz am Handlauf an der Innenwand festhielt, brach ein Wandstück von ca. 80 Zentimetern Länge und ca. 1,60 Metern Höhe gegen mich und drückte gegen meine Schulter. Zuerst drückte ich dagegen, merkte jedoch, dass die Wand dan wieder zurückkippte. Langsam ablassen konnte ich die Wand auch nicht, da ich dafür a) nicht genügend Platz hatte und b) mir nicht sicher war, ob ich die Wand halten könnte mit den Armen. Von daher war ich erleichtert, als die Wand sich dann doch noch zurückdrücken ließ und an der Ursprungsstelle verharrte. Ich stand etwas kurzatmig da, als auch meine Kompagnons kamen, die vom Lärm („das hörte sich an, als würde das Gebäude zusammenbrechen“) alarmiert worden waren. Ich entschied mich dann dafür, dass zweite Geschoss nicht weiter zu untersuchen.

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Nach einer kurzen Expedition in den Keller, wo sich noch eine alte Kegelbahn befand, stiegen wir dann auch aus dem Gebäude wieder aus. Jetzt stand der schwierigste Teil der Übung bevor: die Flucht vom Gelände. Da der Einstieg direkt an einem Spazierweg lag, war auch die Gefahr groß, dass wir beim Ausstieg entdeckt würden..so wagten wir uns in die Nähe des Zauns, wo wir durch die Bäume eine Nordic Walkerin sahen und hörten. In bester Bundeswehr-Manier legten wir uns auf den Boden, bis das Klacken der Gehstöcke verklungen waren. Anschließend drangen wir bis zum Zaun vor, stellten fest, dass unser Eingangsloch wohl doch woanders gewesen sein musste…und liefen am Zaun entlang. Parallel mit einem älteren Pärchen, dass uns amüsiert begutachtete, aber auch nichts sagte, als wir uns durch die Lücke zwängten und unbehelligt wieder zu unserem Auto gelangten. Auch wenn diese Tour fototechnisch nicht viele Schätze bereithielt: vom Action-Status her war sie mit eine der unterhaltsamsten Touren.

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